18.10.2018Trägervereine & Partner

Bauernhoferlebnisse richtig versichern

(Gersfeld/Rhön) Kindergruppen auf dem Heuboden, Landwirte, die mit Maschinen ihrer täglichen Arbeit nachgehen, Urlauber, die einen schönen Abend am Lagerfeuer genießen. All das sind Bilder, die man auf landwirtschaftlichen Betrieben, die Urlaub auf dem Bauernhof oder Bauernhof als Klassenzimmer anbieten, sieht. All das sind schöne Szenen, die auch Gefahren bergen.

Wie man die Risiken für Besuchergruppen auf dem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb abschätzt und sich gegen diese absichert, darüber haben sich rund 25 Betriebsleiter/innen in einer Abendveranstaltung im Groenhoff-Haus auf der Wasserkuppe informiert.

Der Verein Natur- und Lebensraum Rhön e.V. und der Fachdienst Landwirtschaft des Landkreises Fulda hatten die Referentin Frau Annette Müller-Clemm eingeladen. Die Agraringenieurin und heutige Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof e.V. hat viel Erfahrung mit Besuchergruppen auf landwirtschaftlichen Betrieben und sich umfassend mit den Themen Risikoanalyse und Versicherungen beschäftigt.

Der Bauernhof biete etwas, was Kinder und Erwachsene im Alltag nicht mehr regelmäßig erleben könnten, so die Referentin. Eigene Erfahrungen machen, Verantwortung übernehmen und Konsequenzen tragen, all das sei nur in einem entsicherten Bereich möglich. Gerade landwirtschaftliche Betriebe, etwa im Gegensatz zu Museen, ließen diese Selbsterfahrung in außergewöhnlichem Maße zu. Doch bergen reale Erfahrungen auch reale Risiken.

Frau Müller-Clemm stellte die verschiedenen Versicherungen vor und welche Risiken durch sie abgedeckt würden. Dabei werde generell unterschieden, ob es sich um gesetzlich vorgeschriebene Versicherungen, wie z.B. die in der Berufsgenossenschaft enthaltene gesetzliche Unfallversicherung handele oder um eine Versicherung, die in eigener Verantwortung abzuschließen sei.

Für den landwirtschaftlichen Betrieb sei dies in erster Linie die Betriebshaftpflichtversicherung, in die gegebenenfalls eine Tierhalterhaftpflicht- und eine Privathaftpflichtversicherung eingeschlossen werden soll, die den individuellen Gegebenheiten und Angeboten auf dem Hof angepasst sind. Gemeinsam mit der KFZ-Haftpflichtversicherung hafteten diese für Schäden an fremden Personen, Sachen und Vermögen. 

Die Klärung der Schuldfrage sei Grundlage für die Schadensregulierung, so Frau Müller-Clemm. Denn nur die Versicherung des „Schuldigen“ könne für den Schaden aufkommen. Hier seien auch die Begriffe der Fahrlässigkeit und Aufsichtspflicht entscheidend.

Die Referentin rief dazu auf, Regeln an die Hofbesucher zu kommunizieren, um Gefahren zu minimieren. So sollte etwa bei Urlaubern auf dem Bauernhof klargestellt werden, dass die generelle Aufsichtspflicht weiterhin bei den Eltern bleibe, bzw. wann sie von der Landwirtin/dem Landwirt übernommen werde. In einem obligatorischen Hofrundgang könne Besuchern der Betrieb gezeigt und gleichzeitig auf erlaubte und „rote“ Bereiche hingewiesen werden. Die Referentin verdeutlicht, dass man immer mit der Unwissenheit seiner Besucher rechnen müsse.

Für jede Landwirtin/jeden Landwirt, der Besucher auf seinem Hof begrüße sei es sinnvoll, eine Risikoanalyse der Gefahren auf dem Betrieb durchzuführen. Danach solle ein Gespräch mit der Versicherung stattfinden, mit dem Ergebnis, dass die jeweiligen Risiken abgedeckt werden.

„Landwirtschaft erleben, der Umgang mit Tieren, große Maschinen und interessante Technik, all das sind Dinge, die Bauernhöfe bieten können. Diese Erlebnisse trotz und gerade wegen der Risiken und Gefahren zu ermöglichen ist die zentrale Aufgabe von Urlaub auf dem Bauernhof und Bauernhof als Klassenzimmer. Betriebsleiter/innen sollten mutig, aber abgesichert diesem Themenfeld begegnen,“ so Frau Müller-Clemm.

Wer für seinen eigenen Betrieb Risiken bewerten und seine Absicherung prüfen möchte, kann bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof e.V. (www.baglob.de) eine entsprechende Informationsbroschüre als Arbeitshilfe beziehen.

BAGLoB-Versicherungs-Ratgeber

18.10.2018

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