Gersfeld - 19.09.2008Biosphärenreservat Rhön

Renaturierung des Ochsenborns schützt Wasserqualität

 

Verrohungen schränken Lebensraum von Grundwasserbewohnern ein / Rückbau der Quellfassung ist Teil der Aktion zum Gewässerreinhaltung in der Rhön / insgesamt stehen 13.000 Euro zur Verfügung

 

HILDERS. Mancher Naturliebhaber, der in diesen Tagen vom Wanderparkplatz „Köpfchen“ bei Hilders zur Burgruine Auersburg unterwegs ist, wird sich wundern, dass die Quellfassung des Ochsenborns, einer Quelle direkt am Wanderweg, abgebaut wurde. Diese Maßnahme ist Ausfluss von Untersuchungen des Landesverbandes für Höhlen- und Karstforschung Hessen e.V., der flächendeckend die Rhönquellen kartiert und auf ihre Tierwelt hin untersucht.

 Als besonders geschützte Biotope sind Quellen gegenüber Störungen sehr empfindlich. So ist beispielsweise bekannt, dass Grundwasserflohkrebse nachts zur Nahrungsaufnahme das Grundwasser verlassen und tagsüber wieder Schutz im Grundwasserkörper suchen. Durch das Anbringen von Verrohrungen werden diese Wanderbewegungen unterbrochen. Außerhalb des Grundwasserkörpers können die Tiere aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit meist nur wenige Tage überleben.

 

Aber gerade diese unscheinbaren Grundwasserbewohner tragen entscheidend zur guten Wasserqualität in unserer Region bei. Durch ihre Bewegungen halten sie die Porenräume im Grundwasserkörper frei und bauen eindringende Schadstoffe ab. Die gute Wasserqualität hat entscheidenden Anteil daran, dass in den Rhöner Quellen noch Eiszeitrelikte wie der Alpenstrudelwurm und die nur zwei Millimeter große Rhön-Quellschnecke vorkommen.

 Das Biosphärenreservat Rhön hat es sich zur Aufgabe gemacht, besonders beeinträchtigte Quellbereiche wieder zu renaturieren, um so ein wichtiges Stück Natur unserer Heimatregion für die Nachwelt zu erhalten. In gemeinsamen Planungen mit dem Forstamt Hofbieber, dem Naturpark Hessische Rhön sowie dem Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Hessen wurde aus diesem Grund der Rückbau des Ochsenborns vorgenommen.

 Nachdem die betonierte Quellfassung bereits im letzten Jahr abgebaut worden waren, wurden jetzt auch die im Boden liegenden Verrohrungen von einem Hilderser Bauunternehmen entfernt. Nun kann sich an diesem Standort wieder eine natürliche Sickerquelle mit der typischen Rhöner Quellenfauna entwickeln. Für die Wanderer wurde eine Hinweistafel aufgestellt, die über naturnahe Quellbereiche der Rhön und ihre Tierwelt informiert.

 

In den nächsten Wochen und Monaten sollen verteilt über das gesamte Biosphärenreservat weitere Quellfassungen abgebaut werden. Finanziert wird dieser Rückbau zum Großteil aus den Geldern, die bei der gemeinsamen Quellschutzaktion der Hochstift-Brauerei Fulda und der Will-Bräu Motten zusammengekommen sind. Hier wurden über sechs Wochen für jeden verkauften Kasten Bier 20 Cent dem Schutz der Rhöner Quellen zugeführt, was letztendlich zu einem Gesamtbetrag von 13.000 Euro geführt hat.

19.09.2008

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